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Category: Derbys Großbritannien – Autor: admin – 6:17 pm

Eigentlich haben die Hammers ihren Derby-Tiefpunkt der Saison schon vor zwei Wochen im eigenen Stadion erlebt: Schließlich hatte dem ungeliebten FC Chelsea ein bestenfalls durchschnittlicher Auftritt genügt, um die Tabellenführung mit einem 1:0-Erfolg im Upton Park noch ein bisschen weiter auszubauen. Nach der Niederlage gegen den Liga-Primus wartet West Ham United in der Premier League mittlerweile bereits seit sieben Spieltagen auf einen Sieg – folglich tritt das Team aus East End nun auch am Samstag nur mit geringen Erfolgsaussichten zum nächsten Derby im Emirates Stadium an.

Arsenal vertreibt die Krise

Blickt man auf die Londoner Derby-Geschichte, hat es allerdings ohnehin Tradition, dass West Ham gegen die Gunners nicht allzu viel zu bestellen hat: Zwar liegt der letzte Auswärtssieg in der Höhle des Löwen aus dem Jahr 2007 noch gar nicht so lange zurück, zumindest in den jüngsten acht Duellen behielt dann aber stets die Mannschaft von Arsene Wenger die Oberhand. Da der Hausherr aus dem Norden die drei Punkte auch in dieser Saison dringend zur Verteidigung des direkten Startplatzes für die Champions League braucht, scheint nun aus Sicht der Hammers der neunte Fehlschlag in Serie fast schon vorgezeichnet zu sein – zumal sich die Kanoniere ausnahmsweise einmal in gehobener Stimmung zum Hauptstadt-Duell begeben werden.

Zwar hatte das bittere 1:3 im europäischen Achtelfinal-Hinspiel gegen den AS Monaco erst vor kurzem für den absoluten Saison-Tiefpunkt bei den Gunners gesorgt; in der Folge halfen dann aber die siegreichen Auftritte gegen den FC Everton und die Queens Park Rangers, die sich häufenden kritischen Stimmen wieder etwas in den Hintergrund zu drängen. Den ganz großen Stimmungsumschwung führte allerdings erst der am Montag eingefahrene Sieg bei Manchester United im Viertelfinale des FA Cup herbei: Nachdem Arsenal erstmals seit neun Jahren in Old Trafford triumphierte, scheint die Titelverteidigung im nationalen Cup-Wettbewerb nur noch einen Steinwurf weit entfernt zu sein.

Das Losglück sorgte schließlich dafür, dass es Özil & Co. in der Vorschlussrunde wahlweise mit dem Zweitligisten FC Reading oder dem drittklassigen FC Bradford zu tun bekommen: Den im vergangenen Jahrzehnt nicht gerade mit Titeln überhäuften Gunners wurde durch den starken Auftritt bei den Red Devils somit fast schon der rote Teppich nach Wembley ausgerollt. Was für eine befreiende Wirkung die Wahrung der Titelchance hatte, war nicht zuletzt dem gemeinsamen Tänzchen von Per Mertesacker und Aaron Ramsey unmittelbar nach dem Abpfiff in Manchester zu entnehmen – insbesondere der nach der Pleite gegen die Monegassen noch an den Pranger gestellte Weltmeister scheint durch den derzeitigen Lauf von einer Last befreit zu sein.

Die Hammers sind im Mittelmaß angekommen

Während sich die Perspektiven der Gastgeber somit innerhalb weniger Wochen wieder deutlich verbesserten, haben die Hammers in den vergangenen anderthalb Monaten die Chance auf eine historisch erfolgreiche Saison verspielt: Mischte die Truppe von Sam Allardyce noch im Januar sensationell im Kampf um die europäischen Startplätze mit, wurde dieses Thema aufgrund der nun schon seit etlichen Spieltagen ausbleibenden Siege inzwischen längst zu den Akten gelegt. Durch die in den zuletzt absolvierten Topspiel-Wochen kassierten Niederlagen gegen Liverpool und Chelsea sowie die Unentschieden gegen Man United, Southampton und Tottenham wurde dem von höheren Weihen träumenden Verein der Kopf mittlerweile wieder gerade gerückt.

Das heißt: So ganz gerade scheint der Kopf doch noch nicht wieder auf den Schultern zu sitzen. Obwohl die im Vorjahr noch gegen den Abstieg kämpfenden Hammers im Großen und Ganzen nach wie vor eine bemerkenswert gute Saison absolvieren, wird bei West Ham United schon seit geraumer Zeit nicht mehr an einem Strang gezogen. Insbesondere Teammanager Allardyce sieht sich heftiger Kritik des Umfeldes ausgesetzt – längst pfeifen die Spatzen deshalb von den Dächern, dass dessen Tätigkeit bei den Hammers in diesem Sommer beendet wird. Aufgrund der sich abzeichnenden Veränderungen dürfte es der im gesicherten Mittelfeld feststeckenden Mannschaft einige Mühe bereiten, bis zum letzten Spieltag hochmotiviert zu Werke zu gehen – zumindest im anstehenden Derby müssen die Anhänger aber ganz sicher noch keinen halbherzigen Auftritt von West Ham United fürchten.