Derbyfieber in Manchester – dabei geht es eigentlich „nur“ um das Prestige

April 6, 2013 0 Von admin

Schon seit 1881 wird von den beiden großen Klubs aus Manchester regelmäßig um die sportliche Vorherrschaft gerungen – vor reichlich 130 Jahren traten allerdings noch die jeweiligen Vorläufer Newton Heath (United) und St. Marks’s (City) im Kampf um die begehrte Stadtmeisterschaft gegeneinander an. Die enorme Bedeutung des Derbys wird nicht zuletzt auch daran erkennbar, dass über die heißblütig geführten Duelle sogar ein eigenständiger Artikel auf Wikipedia zu finden ist: Am kommenden Montagabend wird der ohnehin schon endlos erscheinenden Story nun das 165. Kapitel hinzugefügt.

United war lange Zeit weit voraus

Aufgrund der wechselvollen Gesichte beider Klubs, hat auch das Derby in der Vergangenheit bereits einige Wendepunkte erlebt; zwar konnten in aller Regel die Red Devils von Manchester United das Geschehen diktieren; in den 70er-Jahren des 20. Jahrhundert wurde der Spieß von den Citizens dann aber zumindest vorübergehend umgedreht. Als der Weg von ManU nämlich kurzzeitig sogar in die zweite Liga führte, war der blaugewandete Verein die klare Nummer 1 in der Stadt – spätestens der Beginn der Ära von Alex Ferguson leitete für die Citizens dann jedoch eine bleierne Zeit des Leidens ein.

Vor allem die langjährige Existenz als Fahrstuhlmannschaft ließ den dreifachen englischen Meister auch stadtintern ins Hintertreffen geraten; seit der 13-jährigen „Epoche“ ohne einen einzigen Derbysieg vor der Jahrtausendwende, haftet den Citizens der Ruf des ewigen Underdogs im Duell der beiden Rivalen an. Für den Understatement-Charakter des Vereins konnte sich in der Folge allerdings auch jede Menge Prominenz begeistern: Von Mark E. Smith über Joy-Division-Legende Ian Curtis bis zu den Gallagher-Brüdern hatten beziehungsweise haben sich etliche Stars einen Schal von Manchester City an die Wohnzimmerwand gehängt.

Heutzutage ist der große Reiz des Manchester-Derbys jedoch auch darauf zurückzuführen, dass bei diesem Duell noch immer die weitestgehend der Vergangenheit angehörende Atmosphäre des vielerorts heißblütig geliebten englischen Fußballs zu spüren ist. Denn während sich die Premier League in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend zu einem weltweit vermarkteten Premium-Produkt verwandelte, bestimmt hier noch immer größtenteils die angestammten Anhänger das Bild. Die klassische Klientel fällt dabei allerdings nach wie vor immer einmal wieder mit Grenzüberschreitungen unangenehm auf: So warf etwa beim jüngsten Aufeinandertreffen ein erboster Citizen-Fan dem United-Spieler Rio Ferdinand beim Torjubel eine Münze an den Kopf.

Die Kräfteverhältnisse wandeln sich

Während sich manche unschöne Randerscheinungen also wohl niemals ändern werden, stellen die Vergleiche zwischen United und den Citizens in sportlicher Hinsicht mittlerweile mehr denn je den absoluten Höhepunkte des englischen Liga-Fußballs dar – noch ist es schließlich ein ganz neues Phänomen, dass die beiden Teams aus Manchester den Takt der Premier League bestimmen: Sorgte in der Vergangenheit meist das Duell zwischen großem Favorit und vermeintlich hoffnungslosen Außenseiter für den bekannten Reiz, wird im Stadtderby mittlerweile die Vorherrschaft des britischen Fußballs ausgespielt.

Wettquoten Manchester Derby

Die Wettquoten zum Manchester-Derby: United zu Hause leichter Favorit gegen City, im Stadtderby geht es mittlerweile um die Vorherrschaft im englischen Fußball. Quelle: wettfreunde.net

 

So bereiteten etwa die beiden Siege der Citizens in der zurückliegenden Saison dem ersten Meistertitel seit 44 Jahren den Weg – im Vorjahr hatte das Team von Roberto Mancini den Red Devils dabei insbesondere mit dem 6:1 in Old Trafford eine vernichtende Niederlage für die Geschichtsbücher beigebracht. In dieser Saison konnte sich die Elf von Alex Ferguson jedoch bereits mit einem späten Sieg im Etihad Stadium für die damalige Blamage revanchieren: Die Rache Uniteds wird zudem durch den Umstand komplettiert, dass das Team zum Jahressende auch in der Premier League wieder vor dem Stadtrivalen zu finden sein wird.

Acht Spieltage vor Schluss führt ManU die Tabelle der englischen Liga schließlich bereits mit einem schier uneinholbaren Vorsprung von 15 Zählern an; der FA Cup hält für den Vorjahresmeister längst die letzte Titelchance des Jahres bereit. Dass sich das Kräfteverhältnis somit zumindest vorübergehend wieder klar zu den Red Devils verschoben hat, sollte den Citizens am Montagabend jedoch nur noch ein zusätzlicher Ansporn sein, nun wenigstens im Derby wieder für Aufsehen zu sorgen.