Derby in Madrid: Real und Atletico treffen sich zum Dauerbrenner

September 9, 2014 0 Von admin

Von manchen Derbys kann man eben nie genug bekommen: Wurde bis vor kurzem noch das einzig wahre Clasico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid völlig zurecht als das alles überstrahlende Highlight des spanischen Fußballs angesehen, schwingt sich zunehmend auch das „Derbi madrileno“ zu einem prestigeträchtigen Duell zweier nahezu gleichwertiger Giganten auf. Nachdem die Stadtmeisterschaft jahrzehntelang unter der faktischen Chancenlosigkeit Atleticos zu leiden hatte, steht die Mannschaft von Diego Simeone mittlerweile regelmäßig zu Auftritten auf absoluter Augenhöhe bereit – auch beim anstehenden Gastspiel im Bernabeu sind die Erfolgsaussichten der Rojiblancos vermutlich deutlich besser, als sich dies zunächst den obligatorischen Außenseiterquoten der Wettanbieter entnehmen lässt.

Die zahlreichen Vergleiche der vergangenen Wochen und Monaten lassen in jedem Falle nur die Schlussfolgerung zu, dass mit nennenswerten Vorteilen für eine Mannschaft kaum zu rechnen ist: Immerhin hatte sich sowohl das Champions-League-Endspiel als auch der folgende Kampf um den nationalen Supercup als ein völlig offener Ritt auf der Rasierklinge erwiesen. Während die Königlichen auf dem europäischen Parkett dank eines zunächst glücklichen, bald furiosen Endspurts das bessere Ende für sich verbuchten, konnte sich der amtierende Meister dann kürzlich nach zwei weiteren Duellen mit dem Gewinn der „Supercopa“ revanchieren – angesichts der jeweiligen Millimeterentscheidungen hätten beide Wettbewerbe jedoch ebenso gut auch einen anderen Sieger finden können.

Reals königlicher Derby-Triumph überstrahlt alles

Mit der prestigeträchtigen europäischen Krone scheint Real unter dem Strich zwar deutlich besser weggekommen zu sein; dieser seit über einem Jahrzehnt sehnsüchtig erwartete Erfolg täuscht allerdings etwas darüber hinweg, dass sich Atetico in den regelmäßigen Derbys der vergangenen 15 Monate alles in allem durchaus achtbar geschlagen hat. Nach den sieben Begegnungen in der Meisterschaft, dem nationalen Pokal, dem Supercup und der besagten Champions League springt für die Königlichen mit drei Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen gerade einmal ein hauchdünner Vorsprung heraus, der obendrein auch nur dem von Atletico bereits halbherzig weggeschenkten Rückspiel im Copa del Rey geschuldet ist.

Mit Blick auf diese stets engen Kisten mag man es sich kaum noch vorstellen, dass es für die Rojiblancos unmittelbar nach der Jahrtausendwende über ein Jahrzehnt lang nie mehr als einen warmen Händedruck im Derby madrileno zu gewinnen gab: Angesichts der vermeintlichen feindlichen Übermacht wurden die Zähler fast immer zum Nulltarif an den größeren Stadtrivalen herausgerückt. Diese schier endlose Durststrecke konnte erst zum Ende der Saison 2012/13 beendet werden, als mit dem Sieg im spanischen Pokalfinale ausgerechnet im gegnerischen Bernabeu eine besonders süße Rache für die erlittenen Demütigungen gelang.

Bei einer Derbypleite droht der Stotter-Start

Obwohl seit jenem Triumph noch nicht einmal ganz anderthalb Jahre vergangen sind, findet nun das Wiedersehen in der Primera Division unter gänzlich gewandelten Vorzeichen statt: Spätestens mit dem vorjährigen Gewinn der Meisterschaft ist den Rojiblancos der Nachweis geglückt, dass die angeblich zementierten „spanischen Verhältnisse“ keineswegs in Stein gemeißelt sind. Im nunmehr zu konstatierenden Dreikampf mit dem FC Barcelona sind in der neu gestarteten Spielzeit derzeit aber gleich beide Stadtrivalen hinten dran: Während sich Atletico schon am Premierenspieltag im kleinen Derby gegen Rayo Vallecano mit einem mageren 0:0 zufriedengab, wurde Real in der zweiten Runde beim 2:4 in San Sebastian nach einem Blitzstart noch regelrecht überrollt.

Somit steht im spanischen Topspiel des kommenden Wochenendes wohl nur vordergründig der Kampf um die Stadtmeisterschaft auf dem Spiel; das Hauptaugenmerk beider Rivalen dürfte schließlich vor allem darauf gerichtet sein, den gemeinsamen katalanischen Konkurrenten nicht schon frühzeitig entkommen zu lassen. Zumindest die ersten Auftritte deuteten immerhin an, dass man mit der Blaugrana nach einer durchweg enttäuschend verlaufenen Saison fortan wieder rechnen muss – möglicherweise bleibt es somit also doch einmal mehr dem Clasico vorbehalten, im Meisterrennen über Sieg und Niederlage zu entscheiden.