Derby der Gegensätze

Februar 25, 2010 0 Von admin

Nein, es geht nicht um die Vorherrschaft am Rhein: Ganz egal, wie das Derby zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln am Samstagabend enden wird, die Truppe von Jupp Heynckes ist der von Zvonimir Soldo sportlich um Lichtjahre voraus und würde selbst im Fall einer Niederlage weiter heißer Anwärter auf die Deutsche Meisterschaft bleiben. Für den FC geht es darum, nach zuletzt drei Pflichtspiel-Pleiten in Folge das Ruder wieder herumzureißen, um nicht doch noch in den tiefsten Abstiegsstrudel gerissen zu werden.

Bayer 04 ist als weiterhin als einzige Mannschaft der europäischen Top-Ligen bisher ungeschlagen durch die Saison gekommen und wird mit Sicherheit alles dafür tun, dass dies auch nach dem Gastspiel der Geißböcke in BayArena so bleiben wird. Nach dem Last-Minute-Gegentor zum 2:2 in Bremen kehrt mit Abwehrhüne Sami Hyypiä zudem der Garant für die defensive Stabilität und ein wichtiger Führungsspieler der Werkstruppe zurück. Fraglich ist derzeit noch der Einsatz der beiden Ex-Kölner Patrick Helmes und Lukas Sinkiewicz, die beide an Verletzungen laborieren, zuletzt aber ohnehin keine tragenden Säulen beim Tabellenführer waren. In der Offensive kann sich Bayer auf den besten Torschützen der Bundesliga, Stefan Kießling und Eren Derdiyok verlassen, der sich in bestechender Form präsentiert und zuletzt sechsmal in Folge netzte. Gefüttert werden soll die Torfabrik von Jungstar Toni Kroos, der außerdem selbst bei Standardsituationen eine unberechenbare Waffe darstellt und aus allen Lagen treffen kann.

Beim FC ist der Katzenjammer groß seit dem Pokal-Aus in Augsburg. Man verlor nicht nur die darauf folgenden Partie auf Schalke und ging mit 1:5 zuhause gegen den VfB Stuttgart unter. Auch ein moralischer Knacks ist zu erkennen, fehlen doch in der Bundesliga die wirklichen Perspektiven nach oben und die harte Realität, die da heißt Abstiegskampf, scheint in den Köpfen einiger hochdekorierter Spieler wie Maniche, Novakovic und Podolski noch nicht in vollem Umfang angenommen zu werden. Vielleicht ist ja die Aussicht darauf, dem ungeliebten Rivalen von der anderen Rheinseite durch einen Überraschungs-Coup die Meisterschaft zu verderben, Ansporn und Motivation für die Truppe von Zvonimir Soldo, die vor schweren Wochen steht und nächste Woche mit den Bayern den nächsten Titel-Favoriten empfängt. Verzichten muss Soldo dabei aller Voraussicht nach auf seine Doppel 6 mit Pezzoni und Maniche, die beide verletzt sind und auf den agilsten Offensivspieler seit der Winterpause, Adil Chihi, der sich gegen Stuttgart einen Riss des Syndesmosebandes zuzog und lange ausfallen wird.

Außerdem wird das Duell um die Plätze im Sturm bei der WM zwischen Stefan Kießling und Lukas Podolski im Mittelpunkt des medialen Interesses stehen. Während Podolski aufgrund seiner torlosen Minuten in der Bundesliga zunehmend unter Druck gerät, will Kießling eine solche Diskussion nach drei Spielen in Folge ohne Tor gar nicht erst aufkommen lassen. Eines jedoch scheint klar: Durch seine konstant guten Leistungen bei der Nationalmannschaft und der überragenden Trefferquote bei Jogi Löw genießt Poldi im Hinblick auf die Weltmeisterschaft derzeit noch einen Vorteil gegenüber seinem Herausforderer.

Marc Strasser