AS Rom – Lazio: Zwei „Dinosaurier“ stehen im Mittelpunkt

September 20, 2013 0 Von admin

Schon in den vergangenen Monaten gab das Derby della Capitale mehrfach einen willkommenen Anlass, unsere Aufmerksamkeit auf die italienische Hauptstadt zu richten – zuletzt wurde die ewige Stadt im Wonnemonat Mai durch das Lokalderby im Endspiel um die Coppa Italia in den Ausnahmezustand versetzt. Nun bietet das Aufeinandertreffen in der Meisterschaft beiden Klubs die Gelegenheit, einen insgesamt gelungenen Saisonauftakt vorläufig zu krönen: Vor allem die formell gastgebende Roma muss dabei zeigen, dass die makellose Siegesserie der vergangenen Wochen nicht allein der Schwäche der Gegner geschuldet war.

Die Giallorossi berauschen sich an ihrem Traumstart

Zwar sind die Gialorossi unter ihrem neuen Trainer Rudi Garcia zuletzt von Sieg zu Sieg geeilt, angesichts des wohlmeinenden Spielplans besitzt der mit weißer Weste eingenommene zweite Tabellenplatz bislang jedoch nur eine begrenzte Aussagekraft. Da die bezwungenen Teams aus Livorno, Verona und Parma nicht gerade zur Elite des italienischen Fußballs zählen, stellt das sonntägliche Derby den ersten echten Wahrsager dar, ob der Umbruch zur Sommerpause tatsächlich gelungen ist. In der Transferperiode konnte auch die Roma von dem Kaufrausch der neureichen französischen Klubs profitieren: Neben der Königspersonalie Marquinhos (Paris) haben zudem die Verkäufe von Lamela (Tottenham) und Oswaldo (Southampton) Unsummen auf das vereinseigene Konto gespült.

Angesichts der zuletzt nur äußerst überschaubaren Leistungen der Mannschaft musste dieser Geldsegen natürlich wie gerufen kommen; dem neu an Bord geholten französischen Coach bot sich somit immerhin die Möglichkeit, seinen Vorstellungen entsprechende Akteure in den Kader einzubringen. Aus den zahlreichen Neuverpflichtungen ragen vor allem die international erfahrenen Maicon, Gervinho und Strootman heraus; mit Innenverteidiger Benatia und Stürmer Ljajic trieb der Verein aber auch in der Serie A einige kostspielige Filetstücke auf. Hat sich die rundum erneuerte Mannschaft mit ihren ersten Auftritten bereits Respekt verschafft, könnte sie sich nun mit einem Triumph im Derby direkt in die Herzen der Anhänger spielen: In Anbetracht der quälend langen Durststrecke würde den fanatischen Fans ein Sieg gegen den Stadtrivalen schließlich über alles gehen.

Nach vier sieglosen Duellen in der Meisterschaft hatte aus Sicht des AS Rom zuletzt die Niederlage im Pokalfinale für den vorläufigen Tiefpunkt gesorgt; nach einer jahrzehntelangen Dominanz des dreifachen italienischen Meisters droht es inzwischen fast schon zu einem gewohnten Bild zu werden, dass die gegnerischen Biancocelesti im Olympiastadion die Richtung bestimmen. Damit dieser unhaltbare Zustand nicht zur Regel wird, stehen nun aber keineswegs nur die Neuzugänge in der Pflicht: Einmal mehr soll im 175. römischen Derby die Vereinslegende Totti die Funktion des Heilbringers übernehmen. Dass der mittlerweile 36-jährige Weltmeister bei der Roma nach wie vor unabkömmlich ist, hat dabei nicht nur der vorentscheidende Führungstreffer in Parma am vergangenen Wochenende belegt – auch die vor wenigen Tagen erfolgte Vertragsverlängerung bis 2016 dürfte vor allem dazu dienen, den Verein und seine Anhänger pünktlich zum Lokalderby in eine Kuschelweich-Wohlfühl-Atmosphäre zu versetzen.

Klose soll es wieder richten

Allerdings wird auch von dem rivalisierenden Lazio weiterhin auf einen Methusalem gesetzt: Wenngleich Miro Klose gerade einmal etwas mehr als zwei Jahre am Fuße des Tibers kickt, scheint er innerhalb der Mannschaft von Vladimir Petkovic fast schon zum Inventar zu gehören. Entsprechend arbeitet die Vereinsführung engagiert daran, den 35-Jährigen mit einem Rentenvertrag ein paar zusätzliche Jährchen an den Klub zu binden: Zwar ist bekannt, dass der deutsche Nationalspieler seine Karriere eigentlich in der Heimat austrudeln lassen wollte – die ihm in Rom entgegengebrachte Liebe könnte ihn dennoch durchaus noch einmal ins Grübeln bringen. Dass Lazio Klose partout nicht gehenlassen möchte, ist dabei nicht zuletzt auf seine Rolle als Derby-Maskottchen zurückzuführen: Just mit seinem später Siegtreffer im Oktober 2011 hatte schließlich die lange Siegesserie gegen den AS Rom seinen Anfang genommen.

Damit der gebürtige Pole nun auch am Sonntag wieder für Glücksgefühle sorgen kann, bekam dieser den Europa-League-Erfolg seines Klubs über Legia Warschau am Donnerstagabend nur als Zuschauer zu sehen – angesichts seines fast schon biblischen Fußballeralters ist Klose für Dauer-Einsätze in den englischen Wochen schließlich viel zu schade. Seinen enormen Wert stellt er immerhin noch immer mit Vorliebe in den Spitzenspielen unter Beweis – so war es kaum ein Zufall, dass er seinen bislang einzigen Saisontreffer gegen den amtierenden Meister Juventus Turin verbucht. Wenngleich das Tor in Anbetracht der deftigen 1:4-Niederlage zu einer Randnotiz geriet, scheint er dennoch für neue Heldentaten im Derby bereitzustehen: Steigt er nun auch in seinem sechsten Duell gegen die Roma erneut zum Matchwinner auf, dürfte sich eine Rückkehr nach Deutschland endgültig erledigt haben: Es wäre dann immerhin nur sehr schwer vorstellbar, dass ihn Lazio nicht vom Fußballplatz direkt ins vereinseigene Museum transportiert.